Bodo Wartke in Galaform
von Matthias Pohlmann
Seit Montag ist Bodo Wartkes CD „Ich denke, also sing´ ich – Live 2009“ im Handel. „Klavierkabarett in Reimkultur“ nennt er seinen Stil, was die Sache ziemlich genau trifft. Auch wenn die Kultur der Reime manchmal schmerzt. Aber das gehört mit zum Konzept – und sorgt wiederum für den ein oder anderen Lacher extra. Für jemanden, der Bodo Wartke hauptsächlich über die via Youtube erhältlichen Videos kennt, stellte sich vor dem Hören natürlich vor allem die Frage, wie ein Programm ohne „Meine neue Freundin“, „Claudia“, „Logik“ oder „Dodekakophonie“ funktioniert.
Es funktioniert gut. Das sei gleich vorweg genommen. Bodo Wartkes CD „Ich denke, also sing´ich – Live 2009“ macht von Anfang bis zum Ende Spaß. Anfang, das ist „Heideröslein“ – eine großartige Persiflage auf Goethes gleichnamiges Gedicht. Und die perfekte Gelegenheit, im Anschluss gleich den Unterschied zwischen Comedy und Kabarett zu erklären „Was Kabarett nach wie vor von Comedians unterscheidet, sind leise, lyrische Momente und literarische Adaptionen“ (wie eben gerade bewiesen). Sagt es und fährt mit „Kain und Abel“ fort – einem reinen Sprechstück. Und weist nach, wie viel sich auf „Abel“ und auf „Kain“ alles reimen kann (oder muss).
Mit einem der bekanntesten Stücke „Ich trau´ mich nich´“ setzt Bodo Wartke dann fort – und führt durch ein buntes Programm von – nennen wir es mal – „Youtube-Klassikern“ wie „Ja, Schatz“, „Der blaue Engel“ und „Quand même je t´aime“ und Stücken, die zumindest dem Teil des Publikums unbekannt gewesen sein dürften, die bis dahin weder ein Album noch einen Auftritt von Bodo Wartke kannten. Und wer glaubt, die im Internet verfügbaren Videos wären die Highlights, der Rest eher schwach, sieht sich völlig im Irrtum – keines der Stücke „fällt ab“ – es ist ein 21-Track-Feuerwerk. Wenn man dabei zwei Stücke besonders hervor heben will, so sind das „Ein Denkmal denkt“ und „Hört mal zu“. Ersteres schon deshalb, weil es durch den zusätzlichen Einsatz einer Violine sich auch musikalisch vom (größten Teil des) Rest(s) abhebt, aber auch tatsächlich ein – wie vorher angekündigt – eher „leiser, lyrischer Moment“ ist. Und Zeilen wie „Soweit ich mich erinnere, erinnere ich… an einen Krieg“ zeigen einen Grund, warum immer mehr Menschen Bodo Wartke für sich entdecken.
„Hört mal zu“ hingegen beweist, wie ideenreich Bodo Wartke ist. Wer – außer Hans Liberg – packt sonst Bach, Haydn, Mozart und Beethoven in einen Song und erzählt dazu noch eine Geschichte? Das ist schon ganz großes Kino. A propos Hans Liberg – mit ihm teilt Bodo Wartke auch die Angewohnheit, sein Publikum zu fordern und immer wieder Rückgriffe auf vergangene Stücke zu nehmen. So kommt das Thema von „Ich trau´ mich nich´“ beispielsweise als kurzes Zwischenspiel in „Warum nich´?“ ebenso vor wie am Schluss von „Quand même je t´aime“.
Reime wie „Feelings… ich lieg rechts, und sie links“ – oder „Die Lanze ragte nun im Lote aus dem toten Lanzelote“ sind dabei sicher nicht jedermanns Geschmack – im Kontext eines Gesamtprogramms von Bodo Wartke passen sie aber durchaus – denn mag man auch über einzelne Reime streiten, als Fazit bleibt stehen: Bodo Wartke ist intelligent unterhaltend, einfallsreich und einfach witzig im besten Wortsinn. Kurzum: Kaufen. Wer allerdings Bodo Wartke noch nie gesehen hat, sollte eher zunächst zu einer DVD greifen, denn nicht selten ist das Wissen um seine Mimik und Gestik Teil des Genusses.
(Wer an dieser Stelle die sonst übliche Punktewertung vermisst, dem sei gesagt, dass diese für Kabarett-CDs nicht benutzt wird)
Veroeffentlicht am 18. November 2009 in der Kategorie: Allgemein, CD-/DVD-Kritik, Inhalte, Musik |
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