Positive Überraschungen beim ESC
von Stefan Zwieso
Wenn man nur noch wenig erwartet, weil das erste Halbfinale niveauarm bis (Aserbaidschan) zum Erbrechen war, dann kommt anscheinend plötzlich eine positive Überraschung. Beim Eurovision Song Contest zeigte das zweite Halbfinale (abgesehen von der Schweiz, Tschechien, Weißrussland) zunächst mal eins: Sangeskunst.Insbesondere die Beiträge aus Island, der Türkei, Zypern und der Ukraine machten so auf einmal einen viel besseren Eindruck als zuvor, der ohnehin schon starke Beitrag aus Albanien kam noch stärker an. Die Ukraine punktete darüber hinaus mit einer schlicht spektakulären Show, hier muss ich der Sängerin in vielerlei Hinsicht Abbitte leisten und hoffe dringend auf einen Finaleinzug (der Artikel entsteht als “work in progress” während der Show und erscheint direkt nach dem letzten Beitrag).
Insgesamt zeigte sich nun, warum das zweite Halbfinale als stärker eingeschätzt wurde als das erste. Denn auch wenn beispielsweise “Wolves Of The Sea” auch heute Abend nicht mein Lieblingsact werden wird, so muss man doch festhalten, dass das doch wenigstens shanty-sauber gesungen war. Von zumindest durchschnittlichen Stimmen. Und wäre sofern im ersten Halbfinale qualitativ relativ weit vorne gewesen.
Dass “Englisch” einem Song nicht unbedingt gut tun muss, zeigte Ungarn – wie der schweizer Kommentator richtig anmerkte, ging so viel von der mysteriösen Schönheit des Songs verloren. Schade, denn eigentlich war das eine schöne (ungarische) Ballade gewesen – vorgetragen von einer der vielen starken Stimmen dieses Abends. Trotzdem bleibt der Beitrag ein “Wunschfinalist”.
Songs wie die aus Litauen oder Albanien waren qualitativ waren (abgesehen von der Liveversion des norwegischen Beitrages) im ersten Halbfinale nicht zu finden. Spannend wird sein, ob sich in qualitativ starkem Umfeld auch Trash durchsetzt – oder ob unter den vielen guten Beiträgen die Finalteilnehmer gefunden werden. In wenigen Minuten werden wir es wissen.
Meine persönlichen Wunschfinalisten nach den frischen Eindrücken des Abends übrigens: Türkei, Ukraine, Litauen, Albanien, Bulgarien, Dänermark, Ungarn, Mazedonien, Portugal sowie Zypern oder Island. Und abgesehen von der Schweiz, Tschechien und Weißrussland hab ich keinen Beitrag, der qualitativ auf keinen Fall ins Finale gehört.
Update 23:15 Uhr: Keiner der richtig schlechten Beiträge ist ins Finale gekommen – und immerhin sechs, die ich mir dort gewünscht hatte – eine deutlich bessere Ausbeute als im ersten Halbfinale. Eine Zwischenbilanz des Eurovision Song Contests kommt im Laufe des 23. Mai 2008, ehe ich für unsere große Finalvorschau den Stab weiter reiche.
Veroeffentlicht am 22. Mai 2008 in der Kategorie: Allgemein, Fernsehen, Inhalte, Meinungsfreude, Musik, Show |
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| 2 Kommentare »
Mai 23rd, 2008 at 03:14
Also ganz ehrlich, Du hast was an den Ohren. Wenn Du sagst, dass der Schweizer Beitrag nicht gut gesungen war, aber die Piraten zumindest die Töne getroffen haben.
Ich stimme Dir ja im großen und Ganzen mit der Betrachtung zu, aber selbst wenn wir Kostüm, Idee und Komposition bei dn Piraten weglassen, man muss wirklich taub gewesen sein, wenn man da sagt, die hätten die Töne getroffen.
Schau Dir doch bitte noch mal den Auftritt an, vor allen Dingen nach dem Keychange stimmt kein Ton mehr, davor hatten die schon Timing-Probleme und der Leadsänger setzt teilweise im Refrain aus, weil er es nicht mehr packt.
Mai 23rd, 2008 at 06:57
Sorry, richtig lesen, bitte *g*: “Shanty-sauber” ist das Gegenteil von sauber, aber “echt”. Weil – wenn ich schon so ein Lied ins Rennen schicke, dann muss es auch richtig betrunken klingen. Und das hat für mich funktioniert.